Unternehmensnachfolge: Knackpunkt Kaufpreis

Der aktuelle Report des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) zur Unternehmensnachfolge 2016 zeigt, dass dieses Thema für deutsche Mittelständler nach wie vor eine Herausforderung darstellt. Eng verbunden damit ist die Bewertung des Unternehmens, denn der Kaufpreis ist bei der Unternehmensnachfolge häufig der Knackpunkt.

Demografisch bedingt ist die Zahl der Unternehmen, die einen Nachfolger suchen, laut DIHK-Report im Jahr 2016 um knapp neun Prozent gestiegen – in den neuen Bundesländern erfolgte sogar ein Anstieg um 20 Prozent. Darüber hinaus suchen rund 1.400 mehr Unternehmen einen Nachfolger, als es interessierte Betriebsübernehmer gibt. Daher gestaltet sich die Suche nach dem geeigneten Nachfolger für viele mittelständische Unternehmen schwierig. Verhandlungen zwischen Unternehmen und Nachfolger scheitern oft am Kaufpreis. Dabei fordern laut DHIK 44 Prozent der Unternehmen einen zu hohen Kaufpreis vom Nachfolger. Die Diskrepanz in der Kaufpreisvorstellung lässt sich leicht nachvollziehen: Während der Unternehmer neben dem objektivierten Unternehmenswert auch seine persönlichen Leistungen sieht, die er im Laufe der Jahre in sein Unternehmen investiert hat, betrachtet der potenzielle Nachfolger in erster Linie das Marktpotenzial des Unternehmens und die Finanzierung des Kaufpreises.

Helfen kann hier eine professionelle Unternehmensbewertung. Anhand verschiedener Verfahren und Methoden können Experten für Unternehmensbewertungen einen Unternehmenswert ermittelt, der dann Anhaltspunkt für den Kaufpreis eines Unternehmens sein kann. Die gängigsten Verfahren für die Bewertung eines Unternehmens sind das am weitest verbreitete Ertragswertverfahren, das Substanzwertverfahren und die Marktwertmethode.

Kurz erklärt, wird beim Ertragswertverfahren der Unternehmenswert gemäß des Unternehmensbewertungsstandards IDW S1 ermittelt und bestimmt sich durch die zu erwartenden Ertragsüberschüsse, also durch das Potential des Unternehmens, in Zukunft Gewinne zu erzielen. Beim Substanzwertverfahren wird der Unternehmenswert anhand des Substanzwerts des Unternehmens, zu dessen Ermittlung die Vermögensgegenstände des Unternehmens um Verbindlichkeiten vermindert werden, festgestellt. Die Marktwert-Methode, bzw. die Multiplikatormethode, berechnet den Unternehmenswert anhand von Angebot und Nachfrage auf dem Markt.

Letztlich werden aber Verkäufer und Nachfolger im Rahmen der Verhandlungen zur Betriebsübernahme den Kaufpreis und die rechtswirksamen Übernahmebedingungen vereinbaren. Um für diese Verhandlungen als Unternehmen und potentieller Nachfolger gut gerüstet zu sein, empfiehlt sich die Unterstützung eines interdisziplinären Teams aus Wirtschafts-, Rechts- und Steuerexperten.