Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung - eine Option?

Die Zahl der insolventen Unternehmen, die sich für ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung entscheiden, hat seit der Einführung des "Gesetzes zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen" (ESUG) im Jahr 2012 einen Höchststand erreicht – bleibt aber nach wie vor die Ausnahme.

Dies zeigt die aktuelle Studie „Sechs Jahre ESUG – Durchbruch erreicht" der Boston Consulting Group, die alle eröffneten Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung seit Inkrafttreten des ESUG im Jahr 2012 betrachtet. Danach lag der Anteil der Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung im letzten Jahr insgesamt bei nur rund 3 Prozent, damit aber deutlich höher als in den Jahren zuvor. Die Studie zeigt, dass sich dieses Verfahren bei den fünfzig größten Unternehmensinsolvenzen mittlerweile als Standardverfahren etabliert hat. Das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung ist damit ein fester Bestandteil der Insolvenzkultur geworden.

Mit dem Inkrafttreten des ESUG im März 2012 wurde die Insolvenzordnung reformiert. Beim neugeschaffenen Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung kann der Unternehmer die Insolvenzmasse selbst verwalten. Er steht aber unter der Aufsicht eines Sachverwalters. Der Gesetzgeber wollte mit dem neugeschaffenen Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung überlebensfähigen Unternehmen eine Chance zur Sanierung eröffnen.

Vorteile des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung sind zum einen die Kontinuität der Unternehmensführung. Das Know-how der Geschäftsführung bleibt bestehen und im Vergleich zu einem Fremdverwalter wird keine Einarbeitungszeit benötigt. Die Geschäftspartner nehmen die Insolvenz oft gar nicht wahr, da sich für sie in der Praxis nichts ändert. Die Sanierung steht unter Vollstreckungsschutz und die Lohnkosten werden durch das Insolvenzgeld finanziert. Laut Studie überzeugen die Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung insbesondere durch ihre Schnelligkeit, sowohl bei der Dauer des Eröffnungsverfahrens wie auch bei der Dauer des Verfahrens von der Eröffnung bis zur Aufhebung. Ein Nachteil beim Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung ist das Misstrauen gegenüber der für die Insolvenz verantwortlichen Unternehmensführung.

Doch nicht für jedes Unternehmen ist das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gleichermaßen gut geeignet. Ob es eine gute Option für ein Unternehmen ist, sollte bereits im Vorfeld einer drohenden Insolvenz geprüft werden.

Die ausführliche Studie „Sechs Jahre ESUG – Durchbruch erreicht" der Boston Consulting Group finden Sie hier: image-src.bcg.com/Images/Focus-ESUG-study_tcm108-190947.pdf